Zum Jahr der Bibel 2003:
Lyrikbändchen "dumm drum rum"

Lyrik, Gedichte, Jahr der Bibel 2003, Aids in Afrika, Militarismus, Gewalt, Kirchenkritik, Israelkritik, Intifada, Gesellschaftskritik, Rassismus, Gottes Rassismus

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Verfaßt zum Jahr der Bibel 2003:
Einzelheiten zum Lyrikbändchen
"dumm drum rum"

Dieses Lyrikbändchen "dumm drum rum" wird zur Zeit noch überarbeitet.

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Leseproben

wen liebt der liebe gott der christen?

»dies ist mein geliebter sohn,
an dem ich wohlgefallen habe.
ich zeugte ihn als gottesklon,
spendierte ihn als gottesgabe.

ich bin meister. er war schüler bester sorte.
er äfft’ erfolgreich nach, was ich genial erfand.
er folgt’ gehorsam meinem worte.
er werkelte, wie’s in der bibel stand.

in abraham und seinen tumben sohn
pflanzt ich »gehorsam des kadavers«.
mein schüler lernte mühelos. und schon
gab’s nazi-muster des befehlspalavers.

dem führer folgte man. er kommandierte.
»befehlen« nannt’ man es in diesen zeiten.
im neuen ton der deutsche schwadronierte.
bis auschwitz kam man und in rußlands weiten.

daß ich nicht lache. ich war’s, der die selektion erfand.
der midianiter frauen waren meine stolze beute.
auf ihrer selektion ich fest bestand.
wen sollt ich schonen aus der frauenmeute?

wer jungfau war, wurd’ nicht zu tode selektiert.
dran glauben mußten die gebrauchten fotzen.
in dieser hinsicht war ich völlig ungeniert;
an unberührtem sollt’ man sich ergotzen.

ich schuf für meine juden neuen lebensraum.
wo milch und honig ständig fließen.
hieß städte, menschen sie vernichten. kaum
daß sie einen stein auf einem andern ließen.

den männern meinen volks gab ich nur frauen,
die keinen fremden gott verehrten.
per ehehygiene hieß ich hürden bauen,
die später »reinste arier« bescherten.

ja, doch, in einer sache steh’n wir ebenbürtig da:
in sodom und gomorra legt’ ich feuer,
er sorgt für london, rotterdam und guernica.
und wurd’ wie ich ein feurig ungeheuer.

nur eine tat, die konnt er nicht kopieren.
ich merzte aus bis auf des noah kleine sippschaft
die ganze menschheit. ohne herzensrühren.
er schafft millionen nur in dumpfer kraft.

am end vollbracht ich’s, daß man mich, den bösen,
den lieben nannte, ohne nachzudenken.
denn aus der bibel hieß ich priester nur das lesen,
was dazu taugte, einfaltspinsel abzulenken.«


prolog für kommende

ändern werden sich die zeiten.
menschen lesen frei und denken.
und seh’n in des verstandes weiten:
dieser gott darf nichts mehr lenken.

+ Erste-Hilfe-Kasten:

1Mose22,1 Gottes Opferungs-Befehl des Isaak, Opferungs-Schlachtung auszuführen durch Abraham; der erste mir bekannte Befehl, der heute als Weisung zum "Kadavergehorsam" bezeichnet wird
4Mose31,18 Die erste mir bekannte Selektion der Geschichte (Selektion der 30000 gefangenen Jungfrauen nach Gebrauchtfrauen und noch verwendungsfähigen Mädchen); Auschwitz fand viel später statt.
Buch Josua mit der Beschreibung von Städtezerstörungen und Bevölkerungsvernichtungen im Rahmen militärisch-barbarischer Landeroberungen
5Mose7,1 Heiratsverbote für Juden - in Verbindung mit der Rassegesetzgebung der Nationalsozialisten von 1935 ("Gesetz zum Schutz des Deutschen Blutes und der Deutschen Ehre"); der göttliche religionsrassistische Hintergrund der Bibel unterscheidet sich nicht vom völkischen Rassismus der Nationalsozialisten
1Mose19,23 Vernichtung der Städte Sodom und Gomorra durch Gott
1Mose13 Vernichtung der Erdbevölkerung durch Gott - ausgenommen Noah und seine Sippe


schreibtischtäter

eichmann ließ juden vergasen
- millionen starben im gas -
und brachte doch selbst keinen um.

der papst verbot wacker kondome
- millionen starben an aids -
und brachte doch selbst keinen um.

eichmann wurde, als er gefunden,
als schreibtischmörder gehenkt.
den anderen,
so sehr ehrenwerten,
wird niemand hängen sehen.

weshalb ist dies so?

+ Erste-Hilfe-Kasten:

Hier geht es nicht um einen bestimmten Papst, sondern um jeden Papst der Gegenwart, der Verbote zur Empfängnisverhütung ausgibt oder ausgeben läßt. Aus Publik Forum, der Zeitung ktitischer Christen, Nr. 22/2002, Beitrag "Die verlorenen Kinder", hier Wort- und Bildzitate:

"Von zirka 45 Millionen Bürgern Südafrikas sind mindestens fünf Millionen infiziert, und die Zahl steigt stündlich. Im vergangenen Jahr starben zirka 150 000 vorwiegend jugendliche und junge Menschen an Aids. In den Baracken derTownships sterben die meisten allein und ohne Beistand, weil Aids eine Schmach, eine Schande ist, über die »man« besser nicht spricht. Ideologische Verblendung ist tödlich für Millionen. Und die katholische Bischofskonferenz von Südafrika lehnt Kondome als Schutz vor Aids ab: Die Leute sollen enthaltsam vor der Ehe leben, heißt es in klerikalen Kreisen. Als ob es »geregelte, funktionierende Ehen« in diesem ökonomischen Chaos überhaupt noch gibt, wo die Männer oft monatelang von ihren Frauen getrennt in den Gruben und Minen schuften müssen.
In zwei Jahren wird es allein in der Republik Südafrika eine Million »Aids-Waisen« geben, Babys und Kinder, um die sich niemand kümmert, vielleicht die Großmutter, vielleicht die Kirche?"
Und ich ergänze: "Vielleicht irgendein Papst mit allen seinen Kirchenschätzen?"

Bildzitat



die unglaubliche geschichte von frau eichenbergs
kleiner, aber absolut unüberschaubarer
welt der puppen

frau eichenberg
saß am klavier
und sang
voll seliger hingabe,
süß und lieblich fromme lieder
über gott und ihre kleine welt,
in der es keine zeitung und
kein fernsehen und
keinen rundfunk gab.
und sie kannte nur den einen
menschenschlag
ihresgleichen.

so war es was brandneues
für frau eichenberg,
als ich eines tages bei ihr zuhause
nach einladung auftauchte.
wir sprachen über alles und nichts,
auch über vergangene zeiten.

»ja, ja, der krieg ist was schlimmes,
aber er muß manchmal sein.
er war unumgänglich,
weil wir damals fremden lebensraum
im osten erobern mußten,«
sagte frau eichenberg

»juden sollen wir umgebracht haben?
nein!« sagte frau eichenberg empört,
»auf garkeinen fall.
wir sind doch eine kulturnation.
auschwitz ist eine auschwitzlüge.
mathematisch beweisbar.

kein einziger jude,«
sagte frau eichenberg,
»ist im osten oder westen
oder süden oder norden
vergast worden. sind wir denn barbaren?
die zeiten waren damals doch gewaltfrei.

oder ziemlich gewaltfrei.
denn gutgemeinte gewalt
kann manchmal sehr praktisch
und nützlich sein. stimmen sie
mit mir überein?«

daß es irgendwo
nach erinnerung von frau eichenberg
doch ein konzentrationslager gab,
konnte nicht ganz abgestritten werden.
»menschen wurden dort erzogen.
zu fleiß und wohlbetragen.«

»und die filmaufnahmen
beweisen doch dokumentarisch,
daß es ermordete gab?«
frau eichenberg wußte genau,
»da lagen nur puppen.
die hat man dahingelegt.«

»und die zeitungsfotos
beweisen doch,
daß es ermordete gab?«
frau eichenberg wußte genau,
»nein, da lagen nur puppen.
die hat man dahingelegt.«

»und die fundfunksendungen
beweisen doch,
daß es ermordete gab?«
frau eichenberg wußte genau,
»nein, es wurde nur über puppen gesprochen.
die hat man dahingelegt.«

und die wenigen besseren gäste,
die frau eichenberg spärlich besuchten,
sprachen auch vom entdeckten massenmord.
frau eichenberg wußte immer genau,
»die reden nur von umherliegenden puppen.
die hat man dahingelegt.«

frau eichenberg wurde mit der zeit
älter. bald sah auch sie aus
wie eine puppe, ein püppchen,
welches das lebensverlängerungsglück
hatte, damals der richtigen rasse
angehört zu haben.

als sie für immer verschied
und ihre letzte reise antrat,
wurde sie nicht
in einem massengrab verscharrt.
oder sonstwie verbuddelt.
auch nicht verfeuert im ofen.

nein, gesittet beigesetzt.
wie es sich für eine fromme frau gehört.
auch ein pastor hielt die rede am grab.
wie es sich für eine fromme frau gehört
und jedem vergleichbaren,
leuchtenden christlichen Beispiel.

die menschen in ihrer familie
sagten noch nach jahren,
»ach, war das eine gebildete
und herzensgute und liebenswerte
und religiöse und fromme und so musikalische
und hingebungsvolle sängerin.
fast ein zerbrechliches püppchen.«

nicht vergessen wurde
auch ihr lied, das sie täglich
in tiefer inbrunst zärtlich sang,
am klavier,
an der fidel,
an der gambe,
an der gitarre:

»kein hälmlein wächst auf erden, der himmel hat's betaut und
kann kein blümlein werden, die sonne hat's erschaut.«

+ Erste-Hilfe-Kasten:

Hierbei handelt es sich um die Verhaltensweise einer mittlerweile verstorbenen Dame hohen gesellschaftlichen Ansehens, die ich einst kennengelernt hatte. Angesprochen auf die fotografierten entsetzlichen Leichenberge getöteter KZ-Häftlinge nach den KZ-Befreiungen 1945 sagte sie sehr bestimmt, da hätten die Amerikaner absichtlich Puppen hingelegt und fotografiert. Es ist ein Skandal, daß es in unserem Land immer noch so viele unbelehrbare Antisemiten gibt. Und daß diese Antisemiten teilweise lediglich als Spinner abgetan werden - falls dies überhaupt noch geschieht.
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Mit freundlichen Grüßen

Ihr Lienhard Pallast

In das Internet gestellt zu Weihnachten 2002 in der besten Hoffnung, vom unglaublichen gewohnheitsmäßigen Religions-Weihnachts- und Glaubenskitsch möglichst nachhaltig zu befreien und einen substantiellen Beitrag zum Jahr der Bibel 2003 zu leisten.

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Tag der letzten Bearbeitung: 08.01.07