Essay (Satire)
Der gekochte Frosch

Militarismus, Neo-Militarismus, Imperialismus, Neo-Imperialismus, Dummheit

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Dieser Titel gehört zur Seite »Dem Kölner Stadt-Anzeiger ein dreifaches Sieg Heil? ...« und ist ein Essay zum Neo-Militarismus deutscher machtdenkerischer Provenienz,
dessen Umfang in teutschen Landen längst die Grenzen einfachen Spielzeuggebrauchs debiler Poiltiker und vorgeschobener Zeitungsschreiber überschritten hat. Mittlerweile auch im gesamten Europa der Neo-Machthungrigen und Sandkasten-Taschenspielertrickser !

Mir fällt in diesem Zusammenhang etwas Erhellendes (in dieser dunkler werdenden Zeit) zum Thema Neo-Militarismus ein; die Überschrift lautet

Der gekochte Frosch

»Die Menschen machen ja so allerlei Versuche mit den Tieren. Irgendwann muß jemand auf den begnadeten Einfall gekommen sein, einmal zu untersuchen, was ein Frosch tun wird, wenn man ihn in heißes Wasser wirft.

Gedacht, getan. Der Frosch, kaum, daß er mit dem heißen Wasser Berührung gehabt hatte, versuchte wie irre, dem ungewohnt heißen, aber ansonsten für ihn natürlichen Element zu entkommen – was ihm hoffentlich gelungen ist. Die Wissenschaft war jedenfalls um eine äußerst wichtige Erfahrung bereichert worden, die lautete: »Wirft man einen Frosch in heißes Wasser, so sucht er, so schnell er kann, daraus zu entkommen.« Ist das nicht eine phantastisch wertvolle wissenschaftlich Erfahrung?

Das Prinzip wurde dargestellt durch die Kurzbezeichnung »Frosch rein – Frosch raus« und anschließend international bekanntgemacht unter »frog input – frog output«. Weil Wissenschaftler die reinsten Nimmersatte sind, werden sie das Experiment höchstwahrscheinlich gelegentlich wiederholt haben, um auf diese Weise die neue Erkenntnis von der Flucht- und Sprungfähigkeit von Fröschen aus heißem Wasser durch eine größere Anzahl von Versuchen zu erhärten und zu untermauern. Wir wissen ja, vor Wissenschaftlers Auge findet eine Erkenntnis nur dann Gnade, wenn sich das Experimentierergebnis unter gleichen Experimentierbedingungen immer wieder einstellt.

Irgendeiner der Wissenschaftler wird bei einer Experimentwiederholung eines Tages getrödelt haben oder wenigstens die komplexen Zusammenhänge »Frosch rein – Frosch raus« nicht hinreichend kapiert haben (womit er alles mit Politikern gemeinsam hat), und begann mit einem Denkfehler.

Zuerst setzte er den Frosch in kaltes Wasser, und dann legte er los, das Wasser zu erhitzen. Der Effekt »Frosch rein – Frosch raus« blieb aus. Das wäre ja auch noch erklärbar gewesen, denn kaltes Wasser ist immerhin das Lebenselement eines jeden Froschs, der mit natürlichen Instinkten und Reflexen ausgestattet ist. Aber spätestens in der Nach-Aufwärmphase (zur hochwissenschaftlichen Begleiterklärung für alle: Als das Wasser heiß geworden war!), erwartete man vom Frosch den lebensrettenden Sprung. Nichts dergleichen geschah. Der Frosch, unbeeindruckt von der ansteigenden Hitze, schien diese überhaupt nicht zu bemerken, und er wäre allem Anschein nach in kurzer Zeit totgekocht worden, wenn mitleidige Seelen sich seiner nicht erbarmt und ihn aus dem heißen Wasser herausgeholt hätten.

Auch dieses Experiment hat man wiederholt, und zur allgemeinen Verblüffung ist es immer wieder gleich verlaufen – sofern man nur langsam genug das Wasser erhitzte, auf daß der Frosch die Temperatursteigerungen nicht wahrnahm.

Kaum, daß ich von diesem Experiment Kenntnis erhielt, überlegte ich, ob man dieses Experiment auch auf den Menschen übertragen könne. Ich stellte mir auch gleich sehr plastisch vor, wie ein Weißer, der in Zentralafrika von Menschenfressern in einen großen Kochkessel gesteckt wird, reagiert.

Wenn a) das Wasser im Kessel schon durch das Schmorfeuer auf Kochtemperatur gebracht worden wäre, hätte der zum Kochen vorgesehene Weiße sicher versucht, nach der Methode »Frosch rein – Frosch raus« zu entkommen. Dem Menschen bescheinigt man ja bedenkenlos Denkvermögen, und so wird jemand, der in seinem Leben wenigstens einmal eine heiße Suppe zu sich genommen hat, beim Anblick eines heißen und großen Kochkessels sowie der Tatsache, daß er als Suppenbeilage verwertet werden sollte, schon lange vor Betreten des Kochkessels Fluchtversuche unternommen haben. Deshalb ist an zunehmen, daß die Menschenfresser in Zentralafrika ganz sicher niemals das Experiment »Frosch rein – Frosch raus« am lebenden Menschen werden studieren können. Was ich als Verlust für die Wissenschaft empfinde.

Wenn b) das Wasser im Kessel noch kalt gewesen wäre, hätte der Weiße vielleicht gedacht, es ginge zum Bade oder wenigstens zur Entlausung, und wäre möglicherweise freiwillig in den Kessel gestiegen. Da aber anzunehmen ist, daß die Menschenfresser sogenannte »Vor-dem-Essen-Zeremonien« gezeigt hätten (Messerwetzen oder ähnliches), wird ein Weißer ganz sicher Verdacht geschöpft haben und aus diesem Grund ebenfalls Fluchtversuche unternommen haben. Demzufolge wird man mit solch groben Forschungsmethoden niemals feststellen, ob der Mensch in bestimmten Situationen nach dem Prinzip »Frosch rein – Frosch raus« reagiert oder nicht. Die Untersuchungsmethoden müssen also wesentlich verfeinert, um nicht zu sagen, subtilisiert werden.

Mich ließ der Gedanke an die Übertragbarkeit des Froschversuchs auf den Menschen nicht mehr los, denn auch in mir steckt Forscherdrang und Sehnsucht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich nahm mir also vor, die Sache mit dem heißen Wasser nicht mehr wörtlich zu nehmen und statt dessen das Prinzip »Frosch rein – Frosch raus« auf andere Lebensbereiche zu übertragen, um auf diese Weise mich selbst, vielleicht auch andere Wißbegierige, zu erleuchten.

»Was wird wohl geschehen, wenn man einen Menschen hinterhältig rücklings überfällt und ihn mit einem Knüppel kräftig auf das Gesäß schlägt?« So sinnierte ich. Denkresultat: Er wird sich wohl rumdrehen und in dem Moment, in dem er einen Menschen von zweieinhalb Metern Körpergröße mit Riesenmuskeln und bösem Gesicht erblickt, einen Fluchtversuch starten. Dieser Fluchtversuch wird wahrscheinlich dem eines Froschs gleichen, der in heißes Wasser geworfen wird. Passiert dieses Schlagerlebnis dem betroffenen Menschen mehrmals, wird er sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur noch vorwärts bewegen, indem er vorsichtshalber sein Gesicht andauernd rückwärts gerichtet hält. In ganz kurzer Zeit wird er dann vor ein Auto laufen oder gegen eine Straßenbahn oder im nächsten Fluß ertrinken, so daß ich augenblicklich keine Möglichkeit sehe, auf diese Weise die Übertragbarkeit des »Frosch rein – Frosch raus – Prinzips« ausreichend durch einen Forschungsversuch zu erhärten.

Ich sinnierte weiter. Was wird wohl ein Mensch tun, wenn man ihm sagt, daß der Kosovokonflikt nur durch Bombenabwurf gelöst werden könne? Er wird sich zuerst halb totlachen. Dann wird er – ähnlich einem aus heißem Wasser flüchtenden Frosch – zu allen wichtigen Statsmännern rennen, so schnell er kann, und ihnen das Blödsinnige dieses Bombenwerfer-Hirngespinstes zu erklären versuchen.

Ganz sicher? Ich meine nein. Denn das hier theoretisch vorstellbare Laufereignis wird sich mit Sicherheit nicht abspielen, weil die Menschen durch blödsinnige Ansichten, die vor allem durch dubiose Gazetten und alle möglichen minderwertige Zeitungen verbreitet werden, nichts Blödsinniges an Staatsmännern erkennen, die tradionsgemäß mangels Mindest-Bestandsmasse an Intelligenz immer und immer nur Bomben werfen lassen.

Wir Menschen – besonders wir teutschen Menschen, die traditionsgemäß im klassischen »Land des Militarismus« großgeworden sind – haben uns an den Dauerzustand kriegerischer Windbeuteleien gewöhnt. Bei genauerem Hinsehen sind wir schon »vorgekochte« Menschen, denen in den letzten Jahrhunderten die Gewöhnung an jede Art militaristischer Spinnereien derart gründlich angehängt worden ist, daß wir eine Gefahrenerhöhung durch weiteres Anheizen von Aufrüstung (und zwangsläufig nachfolgenden Kriegen mit Bombenwerfen usw.) nicht mehr empfinden.

Und nun wird es deutlich: Wir alle nehmen zur Zeit an einem Experiment teil. Die experimentierenden »Wissenschaftler« sind Politiker (und ihre Helfershelfer, die Herausgeber minderwertiger Gazetten) sowie Waffenfabrikanten, Militärs und ganz besonders die sich christlich (auch christlich-orthodox, jüdisch und islamisch) nennenden Amtskirchenvertreter in West und Ost. Diejenigen, mit denen experimentiert wird, sind wir, die Bevölkerung des Globus. Ich bin, nachdem es mir gelungen ist, dies zu erkennen, tief beglückt, nunmehr das Prinzip »Frosch rein – Frosch raus« gleichzeitig als Experimentierobjekt und als Beobachter zu erleben. Unser Zustand des langsamen Gekochtwerdens ist schon weit, weit fortgeschritten. Ich, stolz darauf, dies Experiment voll und ganz erkannt zu haben, hoffe, daß alle anderen intelligenten Erdbewohner ebenfalls erleuchtet werden. Nicht, weil ich Missionar bin und auf das Erkennen des Glücksgefühls, Gegenstand der Forschung zu sein, unbedingt hinweisen möchte. Nein. Ich weise darauf hin, daß beim originalen »Frosch rein-Frosch raus-Versuch« nach Art Nr. 2 mitleidige Seelen die lieben Tierchen rechtzeitig aus dem heißen Wasser geholt haben. Solches Mitleid von Politikern (und ihren Helfershelfern, den Herausgebern minderwertiger Gazetten) sowie Waffenfabrikanten, Militärs und sich christlich (auch jüdisch und islamisch) nennenden Amtskirchenvertretern in West und Ost zu erwarten, wäre törichte Illusion, und so gehe ich auf die Suche nach Mitleid. Denn wir befinden uns – wenn wir genauer hinsehen – unmittelbar vor der Stufe des Totgekochtwerdens. Was nur dem aufgefallen ist, der besondere Sensoren für Temperatursteigerungen besitzt. »Totkochen« heißt letztlich bei entsprechender atomarer, chemischer und bakteriologischer Kriegsführung sogar Ausrottung der gesamten Menschheit. Das Experimentierergebnis wäre demnach rein für die Katz, weil sich kein Mensch mehr dran erfreuen könnte, denn es gäbe danach keine Menschen mehr. Das wäre doch zu dumm.

Jetzt – zum Schluß – fällt mir besonders auf, daß in der Überschrift was von »Sieg Heil« steht. Habe ich satirisch übertrieben? Sind die neuen, von einer europäisch-nationalistisch-fixen Idee besessenen und bisher noch wie Maulwürfe nahezu völlig im Verborgenen agierenden Macher der von ihnen erträumten militärisch mächtigen Vereinigten Staaten von Europa nicht ähnlich dümmlich, fürchterlich und überheblich wie die Nazis? Dies müßte endlich näher untersucht werden!«

Mit freundlichen Überlebensgrüßen

Ihr Lienhard Pallast

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