Jahr der Bibel 2003
Aufsätze und Essays zum Thema "Israel heute"

Hier: Staatsgründung Israels 1948; eine Auskunft zu Fakten

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Siehe auch Fakten, Meldungen und Meinungen zum Terroranschlag auf das World Trade Center New York am 11. September 2001 vorzugsweise für Querdenker

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Thema: Staatsgründung in Israel

Als der jüdische Tempel durch die Römer 70 n. Chr. zerstört und die Juden zerstreut bzw. in Gefangenschaft geführt wurden, hörte das Staatswesen Israel praktisch auf, zu existieren. Das Land der alten Israeliten, bei realer Betrachtung im Wesentlichen dem heutigen Palästina nicht unähnlich, wurde nach der Tempelzerstörung im Zeitenlauf von unterschiedlichen Staaten besetzt. Vor der Staatsneugründung Israels 1948 war Palästina seit 1516 südlichster Teil des osmanischen (türkischen) Reichs. Arabische Beduinen und Bauern prägten das Gesicht Palästinas. Um 1900 gab es in Palästina etwa 500.000 Araber und 60.000 Juden. Sprache, Kultur und Religion waren durchgängig arabisch, orientalisch und islamisch. Das Land war Heimat der palästinensischen Araber, kurz »Palästinenser« genannt. 1896 weckte der Österreicher Herzl die Sehnsucht der Juden nach einem jüdischen Staat im Land der Bibel, Palästina. Jüdische Siedler kamen in solch großen Scharen in das arabische Land Palästina, daß bereits 1903/05 erste jüdische Siedlungszentren errichtet werden konnten (1909 wurde Tel Aviv als jüdischer Vorort von Jafo gegründet). Ganz besonders Verfolgungen der Juden, vor allem Progrome gegen Juden in osteuropäischen Staaten, veranlaßten Juden zur Einwanderung nach Palästina. 1936 gab es in Palästina 950.000 Araber und bereits 400.000 Juden.

Die Türken waren mittlerweile besiegt und Palästina wurde später aufgrund eines UNO-Beschlusses („Völkerbund") geteilt. Es ist erstaunlich, mit welch schamloser Selbstverständlichkeit eine Staatengemeinschaft (UNO sprich Völkerbund) sich erdreistete, ein Land, das keinesfalls menschenleer gewesen war, also eine angestammte Bevölkerung mit eigener Sprache, Kultur und Religion hatte, die ihr Land als Heimat betrachtete, aufzuteilen und einen der beiden Landesteile neuen Besitzern zu geben. Am 14. Mai 1948, kurz vor Beginn der Sabbatruhe, wurde in einem Museum in Tel Aviv von den eingewanderten jüdischen Siedlern der Staat Israel ausgerufen; der Vorsitzende der Zionistischen Weltorganisation, David Ben Gurion, verlas die Unabhängigkeitserklärung des neuen Staates Israel. Ben Gurion begann die Erklärung mit:

»Im Lande Israel entstand das jüdische Volk ... Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher.« Er führte weiter aus, die Errichtung eines jüdischen Staates im Lande Israel erfolge deshalb »kraft unseres natürlichen und historischen Rechts«.

Hier irrte Ben Gurion mehrfach. Weshalb?

1. Die Bibel ist keinesfalls das Ewige Buch der Bücher, sondern, wie nachweisbar ist, eine leicht durchschaubare Anweisung für sakrosankten Mord und Genozid, durchzuführen auf göttlichem Befehl unter göttlicher Anleitung, zugunsten eines Volks, das sich durch Dauerpflege eines religiösen Rassismus auszeichnete.

2. Im Lande Israel »entstand« nicht das israelische Volk. Was heißt eigentlich »entstehen«? Ein Haus entsteht, ein Kontinent entsteht, eine Gartenanlage entsteht; das israelitische Volk ist bereits vor der Landnahme (siehe AT) entstanden; es kam nicht aus Palästina, sondern es hat nach seiner Entstehung in biblischen Zeiten das Land Palästina durch Verdrängung sowie Genozid gegen die bodenständige Bevölkerung erobert und besetzt, jenes Land, das ihm damals – so wie 1948 – ursprünglich nicht gehörte, aber angeblich durch einen parteiischen, vor allem mörderischen »Lieben« Gott einem einzigen Volk, dem israelitischen, angeblich versprochen worden sein sollte. So steht es im Alten Testament. Es ist weltweit leider immer noch sehr gefährlich, diese biblischen Fakten ernsthaft zu kritisieren.

3. »Das jüdische Volk schuf eine nationale und universelle Kultur«, sagte Ben Gurion. »Nein!« sage ich, »wenn Mord, religiöser Rassismus und Genozid nach den Vorstellungen des „Lieben" Gottes und des von ihm vorgeblich auserwählten Volks der Israeliten (die Mehrheit der Menschen des heutigen Israels fühlt sich ganz und gar in der Tradition des historischen Israels) auch heute noch zu den Inhalten einer nationalen und universellen „Kultur" gehören sollen, dann muß das Wort für den wirklichen Kulturbegriff überhaupt erst einmal geschaffen werden!«

4. Es gibt kein natürliches Recht, das es erlauben könnte, ein Land durch die Maßnahme einer Teilung, Einwanderung oder eines Genozids zu besetzen und der bodenständigen Bevölkerung die sprachliche, kulturelle und religiöse Identität zu nehmen bzw. es zu vernichten. Dies galt für die Zeit Mose genau so wie für die Zeit ab 1948. Die Befürchtungen der arabischen Palästinenser, daß ihr Land sprachlich, kulturell und religiös ein anderes werden könne, haben sich voll bestätigt. Allein 1948/49 flohen etwa 500.000 arabische Palästinenser bzw. sie wurden vertrieben. Seit dieser Zeit leben viele Palästinenser in »Palästinenserlagern« innerhalb und außerhalb des gegenwärtigen Staatsgebiets Israel, so z. B. in Sabra und Shatila in Westbeirut, Libanon.

Aufstände der Palästinenser und Kriege mit Unterstützung arabischer Nachbarländer blieben erfolglos. Brutale Terroranschläge (die durch nichts zu entschuldigen sind!) der palästinensischen Befreiungsorganisation (der »PLO« unter dem damaligen Chef Arafat) und anderer Organisationen, beispielsweise während der Olympiade 1972 in München, hatten zur logischen Folge, daß die Palästinenser allgemein zu Gewalttätern abgestempelt wurden und sich weltweit größtenteils in ein moralisches Abseits manövrierten, während die Israelis bedauert wurden. Die Israelis dehnten ihr Staatsgebiet weiter aus und begannen nach gewonnenen Kriegen in besetzten Gebieten weitere Verdrängungsmaßnahmen sprich Siedlungstätigkeiten. So wie die Indianer Nordamerikas werden mehr und mehr Palästinenser erbarmunglos seit Jahrzehnten in Reservaten aufbewahrt (Fachbegriff für diese Art Reservat: Palästinenserlager) und allgemein in ihrem palästinensischen Heimatland, in den Flüchtlings-Aufnahmeländern sowie in den besetzten Gebieten entweder recht und schlecht geduldet oder gejagd, ihrer Menschenrechte beraubt, in Lagern, die den Israelis zugänglich waren, von Israelis willkürlich gedemütigt, gefoltert und umgebracht.

Der Kölner Stadt-Anzeiger vermerkte am 15.05.98 aufrichtig: »Der Mythos vom „Land ohne Volk": ... Die zionistische Verheißung – „ein Volk für ein Land ohne Volk" – war von Beginn an ein Mythos. Nicht nur 520.000 Juden lebten in den Gebieten Palästinas, die nach dem UN-Teilungsbeschluß Israel zuerkannt wurden, sondern auch 350.000 Araber. ... Ursprünglich ideologisch nicht gewollt (aber durchaus militärisch erwünscht), baute die politische Führung der jüdischen Gemeinschaft – wie mehrfach belegt ist – darauf, daß ein großer Teil der Palästinenser nach Israels Unabhängigkeiterklärung das Weite suchen würde. Doch die arabische Bevölkerung Palästinas floh nicht von selbst, wie viele Israelis noch immer gerne meinen. Nachrichten über vereinzelte Massaker wie die von Deir Yassin – einem Dorf südwestlich von Jerusalem, wo jüdische Ultranationalisten am 9. April 1948 weit über 100 Menschen niedermetzelten – hatten vielerorts Angst und Schrecken verbreitet. Die Araber-Trecks in Richtung Gaza und Westjordanland schwollen erst nach solchen Meldungen an. Die Tagesbefehle richteten sich nach dem, was Israels militärische Führung für notwendig hielt. Das christliche Nazareth etwa wurde verschont. Die Regel allerdings lief zunehmend auf die Politik der systematischen Säuberung hinaus. So ließ die Haganah während der „Operation Nahschon", die den Druck von dem belagerten Jerusalem nehmen sollte, fast alle Häuser der Westkorridor-Dörfer sprengen. Jede Rückkehr der Flüchtlinge sollte verhindert werden. Besonders gnadenlos griffen die Truppen im Juli 1948, unterstützt von Artillerie und Luftbombardements, auch die arabischen Städte Ramla und Lydda (Lod) an, die als potientielle Bedrohung von Tel Aviv galten. In Lydda wurden die Männer auf Plätzen und in Moscheen zusammengetrieben, 250 von ihnen massakriert. ...«

Das »natürliche« Recht, 1948 in Palästina einen neuen Staat errichten zu dürfen, weil vor zweitausend Jahren dort einst ein israelitischer Staat bestand, war demzufolge nichts anderes als das Recht des Stärkeren. Nicht nur das moderne Israel muß ein schlechtes Gewissen in diesem Punkt »Recht des Stärkeren« haben, nicht nur beispielsweise die USA (was vergleichbar den »Umgang« mit ihren Indianern anbetrifft), sondern vergleichsweise auch wir Deutschen, denn wir haben einst vor Jahrhunderten eine bodenständige Bevölkerung im Osten (siehe Preußen) gewaltsam verdrängt und waren im Zweiten Weltkrieg intensiv damit beschäftigt, andere Länder zu besetzen und deren Bevölkerung zu demütigen, zu foltern und umzubringen.

Ich fürchte, daß braungefärbte deutsche Volksgenossen irgendwann wieder fröhliche Urständ feiern, um ehemalige deutsche Ostgebiete erneut zu beanspruchen. Vor solch einer Tragödie mögen uns alle Menschen Deutschlands bewahren, die sich zivilisiert betragen können und hoffentlich mittlerweile die moralisch wirksame Mehrheit in unserem Land auf Dauer geworden sind. Ich konstruiere dennoch: Vielleicht werden sich in 2000 Jahren Deutsche aufmachen und die ehemaligen Ostgebiete erneut besetzen, indem sie sagen: »Wir kehren heim in’s Reich nach West- und Ostpreußen und Schlesien und Böhmen und Mähren, und dies tun wir kraft unseres natürlichen und historischen Rechts«. Sollte dies in 2000 Jahren einst geschehen, so brauchen solche Urheber nur noch die Unabhängigkeitserklärung der Israelis vom 14. Mai 1948 abzuschreiben und entsprechend zu modifizieren.

Lienhard Pallast


"Wieviele Tote kostet ein Landdiebstahl?"

Ein lyrisches Gedicht
von Lienhard Pallast


im kindergarten
wurde einst
erzählt, wie es
mit jericho
gewesen war.

„ ... da zog ein großes judenheer
aus einem weit entfernten land
vor die mauern einer stadt
namens jericho.

juden bliesen auf posaunen,
und die mauern dieser stadt
fielen einfach um.
bumm."

hei, das war zum lachen schön.
„kinder, nehmt kartons und schachteln,
denn wir bauen eine stadt,
die ‘ne große mauer hat.
stellt euch alle dann davor,
schiebet all mit voller kraft,
und die mauer stürzt dann ein,
wie zuvor bei jericho."

und die mauer fiel auch um.
bumm.

das gab fürwahr ein groß geschrei
und helles lachen nebenbei.
sonst passierte keinerlei
unglück.

was sollte auch besonderes,
fürchterliches, schreckliches,
hier im ernst geschehen sein?

wer von heute hat die sicht,
unverzerrt auf jericho?
wer kann sehn, wie es zuvor
in alten zeiten wirklich war?

menschen so wie du und ich,
dumm und klug,
arm und reich,
klein und groß,
dick und dünn,
lebten gern in jericho.

menschen, die wohnten,
und liebten,
und land bebauten,
und handel trieben,
und sex hatten,
und gut waren,
und böse waren,
und soffen,
und hurten,
und kinder großzogen,
und glücklich waren.

jedoch einen andern gott
als den fremden judengott
verehrten.

„das ist ihr verbrechen",
sagten die juden in jenen tagen,
„drum sind sie jetzt
freigegeben zum abschuß,
zu mord und totschlag
aller bewohner
auf gottes heiligen befehl
im heiligen bann,
zur plünderung
allen besitzes
und entwendung
von grund und boden!
so steht’s in der bibel,
dem ewigen buch der bücher,
dem heiligen buch gottes,
frei gegeben zum nachlesen.

und die juden erstürmten
nach dem fall der mauer
die stadt mit dem hübschen
prosaisch gewordenen namen
jericho.

die einwohner,
mit männern jung und alt,
und frauen jung und alt,
und kindern jung und alt,
wurden sämtlich massakriert.
im namen des heiligen gottes.
fielen sämtlich durch das schwert
der juden
im heiligen bann
bis in die leichenstarre,
weil sie nicht überlebten.
denn der heilige gott
wollte es so,
sagten die juden, weil die leute dort
den gott der juden
einfach nicht verehren mochten.

„nein, das war kein landdiebstahl",
sagen juden heutzutage,
nicht vor scham
tief errötend
und verlegen.
„gott persönlich gab das land
uns juden, die er auserwählt.
dafür müssen wir uns doch
nicht entschuldigen?
für gottes wort entschuldigen?
wie, bitte?
wo kämen wir denn da
überhaupt hin?"

neue zeiten, alte sitten,
wieder haben juden
land gestohlen,
das nicht ihres war.
denn es war
kein menschenleeres land.

dort wohnten schon
seit langer zeit
menschen so wie du und ich.
arabische ureinwohner,
palästinenser.
dumm und klug,
arm und reich,
klein und groß,
dick und dünn,
die wohnten,
und liebten,
und land bebauten,
und handel trieben,
und sex hatten,
und gut waren,
und böse waren,
und soffen,
und hurten,
und kinder großzogen,
und glücklich waren.

und wieviel tote kostet dieser
neue landdiebstahl?

ureinwohner,
die nicht schnell
flüchteten,
wurden bedrängt,
wie sklaven behandelt,
ihrer menschenrechte beraubt,
so, wie früher
in südafrika
die weißen
mit den schwarzen
verfuhren.
auf jahrzehnte in lager gesteckt.
bis heute.
gedemütigt,
gefoltert.
in lagern,
in ihren häusern
und auf der straße
massakriert,
männer jung und alt,
und frauen jung und alt,
und kinder jung und alt,
auch in sabra und shatila
und in dschenin,
auf der straße abgeknallt.
ohne gerichtsverfahren
mit nachfolgendem urteil.

das dumme war,
der ureinwohner gott
war mittlerweile
längst der gott
der juden, die das land
schon wieder stahlen,
geworden.

das ist die einfache logik
barbarischen
tötens und
mordens.

das ist die neue dimension
barbarischer religionen,
wie sie schrecklicher
nicht sein können.

wer fürchtet sich vor gott?
wer fürchtet sich vor’m schwarzen mann?
niemand?
wirklich niemand?

und nun wundern sich die neuen juden
über der gedemütigten
widerstand,
terrorismus,
selbstmordattentate,
geduld und
unerschöpfliche hoffnung,
dort wieder zu wohnen,
wo einst ihre heimat,
aus der sie vertrieben.

als die nazigeformten deutschen
rußland unterjochen wollten,
hatten sie keinen gott
des religionsrassismus
im rücken,
der ihnen befahl,
rußlands erde zu stehlen
und die bevölkerung
im unheiligen bann
mit dem schwert zu massakrieren
oder mit der pistole
oder mit der maschinenpistole
oder mit dem gas
oder mit der waffe hunger.
wohl aber
hitler,
himmler,
göbbels,
eichmann,
und sonstige ersatzgötter
eines genetischen rassismus.

die neuen juden haben keinen
hitler,
himmler,
göbbels,
eichmann
und sonstige ersatzgötter
eines genetischen rassismus.
nur ihren gott aus alter zeit.
der ist ihnen genug,
all das wieder zu erledigen,
was vor tausenden von jahren
in jericho
im namen dieses gottes
begonnen wurde.

jetzt fallen schon wieder menschen um.
bumm.

wenn derart viel umfällt,
fällt uns zivilisierten zuschauern
nichts dabei ein?
oder sind wir
wie die neuen juden
etwa auch nicht zivilisiert?
auch barbaren?
religionsrassisten?
mörder?
immer noch
gott lobende
schänder
und
schinder?

wir lesen immer noch
träge und gedankenlos
in biblischen schriften.
auch über texte von jericho.
dort fiel hauptsächlich so hübsch
und pittoresk
bei posaunenschall
die ganze stadtmauer um.
bumm.

mehr fällt uns, den oberflächlichen
und nichtwissenden
und nicht lernenden,
wenn über diese
hübsche story berichtet wird,
immer
noch
nicht
ein.

ich fürchte diesen
gott
und alle,
die ihn
loben.


Siehe auch Fakten, Meldungen und Meinungen zum Terroranschlag auf das World Trade Center New York am 11. September 2001

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Tag der letzten Bearbeitung: 08.01.07